Adventskalender

Careless Whisper

Dröhnender Bass. Stickige Luft. Verschwitzte Menschen. Das ist der Ort, an dem ich mich jede Woche zur selben Uhrzeit des gleichen Tages aufhalte; der Club um die Ecke meiner Wohnung. Warum ich das mache? So genau weiß ich das selbst nicht, aber ich weiß, dass ich mich hier einfach wohl fühle. Hier kann ich abschalten, meinem Alltag entfliehen, welcher sonst nur aus Akten, Kaffee und den Pöbeleien meines Chefs besteht. Mein Leben hat aktuell nicht vieles zu bieten, dass mir Spaß macht und genau deshalb lasse ich mir diese paar Stunden am Samstagabend nicht vermiesen. Auch heute bin ich wieder hier, bereits den ersten Drink in der Hand und beobachte bereits die vielen Menschen um mich herum. Wenn man quasi ein Stammgast ist, so wie ich es bin, dann kann man bereits anhand des trunkenen Zustandes der Menschen erkennen, wie spät es ist, ohne auf die Uhr sehen zu müssen. Jetzt sind sie alle noch nüchtern, ausgelassen am Tanzen und vor allem auch am Lachen, was mich ebenfalls grinsen lässt. Ich verstehe diese Euphorie, denn ich spüre sie auch; jedes Mal. Aber ich bin einer der schüchternen Sorte, muss mir erst einmal den Mut antrinken, bevor ich mich überhaupt traue, auf die Tanzfläche zu den schwitzenden Menschen zu gehen. Egal wie sehr ich das Tanzen liebe, es vor anderen Menschen zu tun, ist mir dann doch ein wenig peinlich. Wie immer vergehen einige Stunden, in denen ich ein Glas nach dem anderen leere und die Musik immer lauter wird, sowie die Stimmung innerhalb des Clubs immer heiterer.

Ich komme jedes Mal allein, weil mein Mitbewohner kein Fan dieser Clubs ist. Abgesehen davon ist er sowieso immer mit seinem festen Freund beschäftigt. Insgeheim kommt schon ein wenig Neid in mir auf, wenn ich die beiden Zuhause beim Turteln erwische, aber vermutlich bin ich einfach zu schwierig. Akuma sagt immer, ich sei ein Narzisst und wolle immer im Mittelpunkt stehen und sobald ich das für meinen Partner nicht bin, verliere ich die Lust. Wahrscheinlich hat er recht, denn in der Vergangenheit ist es schon oft vorgekommen, dass ich solche Beziehungen dann aus diesem Grund beendet habe. Deshalb habe ich es aufgegeben, nach einer Person zu suchen, für die ich alles sein kann. Mir wäre vermutlich sogar egal, ob es Mann oder Frau ist, wobei ich mich zu Männern deutlich mehr hingezogen fühle. Vor langer Zeit fragte ich mal Akuma, ob wir es nicht vielleicht versuchen wollten, um nicht ganz allein zu sein. Aber egal wie sehr er mich als Bruder liebt, eine richtige Partnerschaft würde er mit mir nicht ertragen. Aber wenn ich recht darüber nachdenke, passt Akuma sowieso nicht in mein Bild eines perfekten Partners, den ich deshalb vielleicht sowieso niemals finden werde. Mein bester Freund akzeptiert diese Vorliebe von mir; andere Menschen tun es jedoch nicht. Ich habe es ebenfalls bereits aufgegeben, die wahre Liebe finden zu wollen. Auch wenn meine Eltern das beste Beispiel dafür sind, dass sie existiert. Aber heutzutage sind die Menschen einfach viel zu oberflächlich, sehen nicht hinter die Fassade eines Menschen und nur wenn man optisch der Norm entspricht, kann man etwas erreichen.

Ich sehe nicht schlecht aus, das mag sein, aber so lange man nichts aus sich macht, kann man auch keine vernünftige Zukunft aufbauen. Und aktuell hänge ich einfach in diesem Büro fest, ohne zu wissen, was ich zukünftig mal machen möchte. Ob ich eine Familie gründen oder doch allein bleiben will und ob ich vielleicht doch noch studiere oder lieber weiterhin Geld verdiene. Doch jetzt will ich nicht über so etwas nachdenken, denn genau deshalb bin ich hier. In diesem Club und dank der Musik kann ich alles vergessen, was mich sonst belastet. Dass ich noch einige Rechnungen bezahlen muss, verdränge ich hier und auch die Tatsache, dass ich nicht weiß, wie ich an das Geld dafür kommen soll, schiebe ich in den Hintergrund. Ich habe zwar einen Job, allerdings ist er so schlecht bezahlt, dass ich nicht einmal allein eine Wohnung beziehen kann und sie mir deshalb mit meinem besten Freund teile. Kopfschüttelnd werfe ich allerdings diese Gedanken ab und leere mein mittlerweile viertes Getränk. Nun bin ich wirklich stark am Grinsen und spüre schon das wohlige Kribbeln in meinem Körper, weil ich gleich auf die Tanzfläche gehe. Das Glas gebe ich an der Bar wieder ab und wende mich dem unordentlichen Knäuel im Zentrum des Clubs zu, in welches ich mich hineinschiebe. Natürlich ist es in gewisser Weise eklig diese Gerüche in der Nase zu haben und auch direkt selbst zu schwitzen zu beginnen, weil man zwischen den Menschen steckt, aber all das bedeutet hier für mich Freiheit.

Ich beginne, mich fließend zu der Musik zu bewegen, blende alles andere um mich herum aus und schließe dazu noch meine Augen. Die Töne aus den Boxen leiten mich und flüstern mir zu, wie ich mich bewegen soll und genau das ist immer der Moment, in welchem ich mich einfach fallen lasse. Im Nachhinein weiß ich nie, wie lange ich wirklich getanzt habe, aber mindestens zwei Stunden sind es immer, bis sich meine trockene Kehle zu Wort meldet. Auch heute vergesse ich die Zeit, jedoch ist es nicht mein eigener Körper, der mich an das Trinken erinnert, sondern der Körper eines anderen.Ich spüre ihn schon in meinem Rücken, bevor sich seine Hände auf meine Hüften legen und mich mit Nachdruck an sich ziehen. Es ist nicht das erste Mal, dass ich einfach von jemandem angetanzt werde und es stört mich auch nicht, aber trotzdem lässt es das Herz jedes Mal aufgeregt ein paar Takte schneller schlagen. Hinter mir steht ein Mann, das spüre ich dank seiner muskulösen Brust. Und auch als ich an mir herabsehe und seine Hände betrachte, fällt einem direkt auf, dass die Person hinter mir definitiv männlich ist. Ich bewege mich weiter zu dem Takt der Musik, drücke meinen Hintern automatisch an seine Mitte und spüre die wachsende Beule darin, was mich grinsen lässt. Einen schwulen Mann trifft man nicht oft einfach so und vielleicht ist das heute ja mein Glückstag. Wenn er mich so schon angeht, ist er definitiv scharf auf mich und dass ich das letzte Mal Sex hatte, ist auch eine Weile her. Hoffentlich sieht er dann wenigstens auch gut aus.

»Ich denke, du solltest mal etwas trinken«, höre ich von hinten an mein Ohr gemurmelt und neben dem Gestank um mich herum, steigt mir jetzt der Duft eines wohlriechenden Parfüms in die Nase. Wie kann jemand, der sich hier aufhält, noch so gut riechen? Selbst bei mir wird das vermutlich nicht mehr der Fall sein. Nach seinen Worten bewege ich mich allerdings weiter, lege den Kopf mit geschlossenen Augen in den Nacken und lecke mir über die von der trockenen Luft leicht spröden Lippen. »Vielleicht kannst du mir ja etwas holen?«Ein belustigtes Schnauben dringt in mein Ohr, was mich nur breiter grinsen lässt, bevor ich dann doch meine Augen öffne und mich zu ihm drehe. Direkt halte ich jedoch in meiner Bewegung inne, als ich den noch vergleichsweise jungen Mann vor mir sehe und schlucke einmal trocken. So einen gutaussehenden habe ich hier noch nie getroffen und anhand seines Anzuges weiß ich auch, dass er hier nicht hergehört. Dieser Typ hat eine Menge Asche, ganz eindeutig. Aber was will er dann von mir? »Könnte ich«, beantwortet er dann meine Frage und fährt sich einmal durch die pechschwarzen Haare. Er hat sie zu einem Scheitel geteilt, sodass seine Stirn ein wenig freiliegt, was ihn unsagbar heiß macht. Seine Augen funkeln ein wenig vor Vorfreude und seine rosigen Lippen sind zu einem noch immer amüsierten Lächeln verzogen. »Aber wir könnten diesen Ort auch gleich verlassen und ich biete dir etwas Besseres.« Spöttisch hebe ich eine Augenbraue und verschränke schließlich noch die Arme vor der Brust. Was denkt er denn, was er hier tut? Nur weil ich hier gerne tanze und auch somit meine Leidenschaft dazu offen bekehre, heißt das nicht, dass ich mit jedem x-beliebigen Kerl, der Geld hat, ins Bett steige. »Ich denke, an dieser Stelle werde ich ablehnen«, sage ich deshalb und mache auf dem Absatz kehrt, um die Tanzfläche früher als sonst zu verlassen. Tatsächlich hält er mich auch nicht zurück, sodass ich schließlich auch den Club verlasse und an der frischen Luft einen tiefen Atemzug nehme. »Es tut mir leid, falls das eben falsch rüberkam«, vernehme ich wieder seine Stimme und sehe zur Seite, wo er dann doch aufgetaucht ist. War irgendwie klar, dass er mir folgt. »Wie sollte es denn rüberkommen, hm?«, gebe ich patzig zurück und fahre mir, wie er eben auch, einmal durch meine Haare. Er beobachtet das kurz, schluckt einmal merklich und sieht mir wieder in die Augen, bevor er mir seine Hand hinhält. »Ich verspreche dir, dass ich dir nichts Böses will. Aber seit einigen Wochen beobachte ich dich schon beim Tanzen und musste dich heute ansprechen.« Meine Augen weiten sich, als er das sagt, ich ignoriere seine ausgestreckte Hand und komme einen Schritt auf ihn zu. »Du hast…mich beobachtet?«Er nickt zustimmend und lässt seine Hand dann doch kurz sinken. Mir ist die teure Uhr an seinem Handgelenk nicht entgangen, aber sicher ist sie so viel wert, wie ich im Jahr verdiene. »Habe ich. Ich finde dich faszinierend und…ich gebe zu, ich würde dich heute Nacht auch nicht ablehnen.« Ablehnen?

Ich hebe jetzt beide Augenbrauen und lege dazu noch meinen Kopf schief. Dieser Typ hat gerade offen gesagt, dass er mich will, aber warum schreckt es mich nicht ab? Ist es, weil er optisch genau mein Typ ist und dann offensichtlich auch noch Kohle hat? Oder liegt es doch am Alkoholspiegel in meinem Blut, der mich diesen Fehler begehen lässt? »Dann…zeig mir doch, was du mir zeigen wolltest«, gebe ich schließlich leichtsinnig nach und zaubere ihm ein erfreutes Lächeln auf seine schönen Lippen. Wenn er so strahlt, sieht er beinahe aus wie ein Hase. Irgendwie niedlich… »Dann komm. Du wirst nicht enttäuscht sein«, verspricht er mir und nimmt nun selbst meine Hand. Er beginnt mich hinter sich her zu ziehen, sodass mein Blick auf seinen Hinterkopf und Rücken gerichtet ist, aber seine Hand fühlt sich angenehm warm in meiner an. Worauf habe ich mich da bloß eingelassen?

»Wie ist denn überhaupt dein Name?« Es ist komisch, seine eigene Stimme jetzt so in dieser Stille zu hören. Bis eben war ich lautem Bass ausgesetzt und jetzt hört sich alles einfach nur irgendwie dumpf an. Dementsprechend hat auch für mich selbst meine Stimme einen anderen Klang, aber diesen Eindruck habe ich wohl nur selbst. Dieser Typ, welcher mich quasi auf der Tanzfläche aufgerissen hat, scheint sich nicht daran zu stören, also ist wohl alles eigentlich so wie immer. Oder der Alkohol benebelt schon wieder meinen Verstand so sehr, dass ich nicht mehr klar denken kann. »Mino«, ist seine Antwort, als er eine Karte aus der Innentasche seines Jacketts zieht und diese in die Vorrichtung der Tür steckt. Diese gibt ein Klicken von sich und ein kleines, grünes Lämpchen beginnt zu leuchten, bevor er in das Hotelzimmer hineingeht. Wenn ich nüchtern gewesen wäre, dann wäre mir vermutlich direkt klar gewesen, dass er ein Hotel ansteuern würde, aber jetzt gerade ist es mir eigentlich mehr oder weniger egal.

Das einzige, was mich gerade stört, ist mein eigenes Auftreten. Nie fühlte ich mich so fehl am Platz, aber das hier ist offensichtlich ein Hotel der wirklich edlen Sorte. »Mino?«, wiederhole ich und komme ihm schließlich langsam hinterher. Die Tür fällt hinter mir automatisch ins Schloss und ich kann jetzt beobachten, wie der junge Mann namens Mino sein Jackett auszieht und über die Lehne eines Stuhls hängt. Als er sich zu mir dreht und gerade seine Krawatte lockert, sowie die ersten Knöpfe seines Hemdes öffnet, ziert wieder ein amüsiertes Lächeln seine Lippen und er nickt. »Ich heiße Jaemin«, kläre ich ihn somit dann auf und bleibe unsicher in der Mitte des Raumes stehen. In so einer Situation war ich noch nie, denn eigentlich fährt man knutschend in die Wohnung und kommt dort direkt zur Sache. Mino ist aber offensichtlich im Gegensatz zu mir nüchtern und deshalb weiß ich nicht genau, wie ich mich jetzt verhalten soll. »Ich weiß. Du arbeitest für einen meiner Leute«, berichtet er, wobei es eine Weile dauert, bis seine Worte richtig in meinem Kopf ankommen. Als das der Fall ist, klappt mein Mund sperrangelweit offen und mein Herz bleibt kurz stehen. Er ist der Chef meines Chefs? »Du bist überrascht, nicht wahr?«, sagt er und zieht sich die Krawatte über den Kopf, um diese über sein Jackett zu legen. »Aber ich habe dich ausgesucht, Jaemin. Deshalb bist du heute hier und deshalb habe ich dich beobachtet.« »A-Ausgesucht wofür?«, stammele ich und sehe ihm dabei zu, wie er jetzt auch Stück für Stück sein Hemd öffnet und sich diesem ebenfalls entledigt. Meine Wangen werden warm, als ich seinen durchtrainierten Körper mustere, welcher dadurch zum Vorschein kommt und wende deshalb verlegen meinen Blick ab. Mino antwortet nicht sofort, aber irgendwann legt er seine Finger an mein Kinn und dreht es sanft in seine Richtung. »Dafür, mein Baby zu sein.« Mein Herz macht einen Satz, als er dieses Wort ausspricht, denn genau das zählt zu meinen Vorlieben. Ich weiß noch, wie Akuma gelacht hat, als ich ihm verraten habe, dass ich einen Daddy Kink habe und hat mich zunächst nicht ernst genommen. Doch irgendwann merkte er, wie ernst ich das wirklich meinte und spätestens als der erste Daddy vor der Tür stand, war es ihm dann auch wirklich bewusst. Allerdings habe ich lange niemanden mehr getroffen, der meinen Vorstellungen als Daddy entspricht, wobei Mino dem schon sehr nahe kommt. Wenn er dann auch noch offensichtlich reich ist, dann…

»B-Bist du ein Sugardaddy?«, frage ich leise und seufze einmal aus, als sein Daumen über meinen Wangenknochen streicht. Seine Augen sind auf die Bewegung seines Daumens gerichtet und als er schließlich still hält, sieht er mir wieder in die Augen. »Wenn du es so formulieren möchtest, dann ja. Auch wenn du es vermutlich nicht denkst, ich bin auch bereits 31 Jahre alt.« Meine Augen werden wieder groß, denn das habe ich wirklich nicht erwartet. Das bedeutet, er ist genau 10 Jahre älter als ich und entspricht somit noch gerade eben meinen Vorstellungen. Alles unter 10 Jahren Altersunterschied habe ich schon gar nicht mehr an mich herangelassen, weil diese Menschen einfach noch nicht reif genug für ihr Alter sind. Mino wirkt allerdings nicht so und es steht auch außer Frage, dass er genau weiß, was er will. »W-Warum…ich?«, will ich dann aber noch wissen, als er seine Hand sinken lässt und wie selbstverständlich beginnt, mein eigenes Hemd zu öffnen. Seine Augen sind jetzt auf die Knöpfe gerichtet, welche er Stück für Stück von dem Stoff des Hemdes trennt und dann beinahe beiläufig über meine Haut streicht, sodass er diese Stelle zum Brennen bringt.

»Warum du«, wiederholt er und denkt vermutlich eine Weile über seine Antwort nach. Erst als er mein Hemd über meine Schultern zu Boden gleiten lässt, sieht er mir wieder ins Gesicht und leckt sich über die Lippen. »Weil du perfekt bist. Dein Aussehen, deine Anmut, wenn du dich bewegst und deine Stimme. Ich bin mir sicher, du wärst das perfekte Baby für mich.« Ich wundere mich gar nicht erst darüber, warum er mich auszieht, sondern lasse es einfach über mich ergehen. Auch meine Hose öffnet er, als hätte er das bereits hundert Mal gemacht und lässt sie ebenfalls zu Boden gleiten, gefolgt von meiner Boxershorts. Meine Wangen sind jetzt stark gerötet, vor allem, weil er jetzt im Kreis um mich herumgeht und immer mal wieder seine Finger über meine Haut gleiten lässt. Mal streift er meinen Rücken, dann meinen Arm oder eben auch mal beiläufig meinen Hintern. Aber irgendwie ist die Spannung zwischen uns so sehr am Knistern, dass ich schon jetzt leise keuchen muss und spüre, wie das Blut sich langsam aber sicher in meiner südlichen Region sammelt. Nach einer gefühlten Ewigkeit bleibt Mino vor mir wieder stehen und nestelt an seiner eigenen Hose herum. Ich zwinge mich, nicht nach unten zu sehen, obwohl mich interessiert, wie er bestückt ist, aber gerade scheint sein zufriedener Gesichtsausdruck viel interessanter. »Also, Jaemin. Willigst du ein, mein Baby zu sein? Denk daran, ich biete dir ein Leben, wovon du nur träumen könntest. Im Gegenzug tust du, was ich will und wo ich es will. Verstanden?« Dieser dominante Unterton seiner Stimme lässt mich erschaudern und der Ausdruck seiner Augen hypnotisiert mich regelrecht. Vermutlich begehe ich gerade den größten Fehler meines Lebens, aber ich nicke schließlich ergeben und spüre kurz darauf seinen Finger zwischen meinen Pobacken. »Dann fangen wir doch direkt damit an und ich nehme mir, was jetzt mir gehört.«

»Jaemin! Ich habe dir von vornherein gesagt, dass das mit dem Typen keine gute Idee ist!« Akuma steht vor meinem Bett, die Hände in die Hüften gestemmt und das Gesicht zu einer wütenden Miene verzogen. Seine Erscheinung ist verschwommen und im nächsten Moment vergrabe ich mein Gesicht wieder in meinen Händen und schluchze auf. »I-Ich kann doch nichts…d-dafür…« »Oh doch! Kannst du! Du wusstest von Anfang an, was dieser Typ von dir will und jetzt bist du so dämlich und verliebst dich in einen Sugardaddy?« Meinem besten Freund entfährt am Ende ein Schnauben, welches von einem erneuten Schluchzen meinerseits gefolgt wird und somit dann doch sein Gemüt ein wenig besänftigt. Ich spüre, wie sich neben mir die Matratze senkt und sich kurz darauf einer seiner Arme um meine Schultern legt, sodass ich mich mehr an seinen Körper lehnen kann. »A-Aber er ist so…p-perfekt. Ich kann nichts d-dafür, dass ich ihn l-liebe…« Dieses Mal ist es ein Seufzen, das seiner Kehle entflieht, bevor ich seine Finger in seinen Haaren spüre und er meinen Kopf zu kraulen beginnt. Akuma sagt eine Weile nichts, sodass man um uns herum nur meine zittrige Atmung und gelegentlich das Hochziehen meiner Nase hört. »Mein kleiner Jaemin…«, beginnt er schließlich und dreht mein Gesicht zu sich, damit er die Tränen von meinen Wangen wischen kann. »Ich verstehe dich. Er ist eben genau das, was du gesucht hast, jahrelang. Und genau deshalb war es nur eine Frage der Zeit, bis du diese Gefühle entwickelst.« Er löst eine seiner Hände, um sich selbst durch die Haare zu fahren und zählt dann an seinen Fingern etwas ab. »Wie lang hast du durchgehalten? 5 Monate? 6?« »5 M-Monate und 22 Tage…«, kläre ich ihn mit dem genauen Zeitraum meiner „Beziehung“ zu Mino auf. Fast ein halbes Jahr ist es her, dass er mich zum ersten Mal in diesem Club angesprochen und in dieses Hotel gebracht hat. Vermutlich war es das schönste halbe Jahr meines Lebens, denn er hielt sein Wort. Es mangelte mir an nichts, er kaufte, was ich wollte und bezahlte meine Rechnungen. Eigentlich wollte er mir sogar eine Wohnung kaufen, doch ich konnte Akuma nicht einfach allein auf den Kosten sitzen lassen, weshalb ich in dieser Hinsicht abgelehnt habe. Getroffen haben Mino und ich uns nur in Hotels, nicht ein einziges Mal habe ich sein Haus oder etwas von seinem Leben gesehen. Bis heute. »Jaemin, es ist nicht nett, dass er dich als Affäre benutzt«, bläut mein bester Freund mir dann ein und sieht mir tief in die Augen. »Du musst das beenden, solange du noch kannst. Bevor es noch schlimmer mit deinen Gefühlen wird.«

Ich beiße mir fest auf die Lippe und senke den Blick auf meine Hände. Akuma hat recht und tief in mir drinnen weiß ich das auch. Aber mein Herz will es nicht akzeptieren; will nicht realisieren, dass der Mann, dem ich seit Monaten alles von mir gebe, mit einer Frau verheiratet ist. »Was ist, wenn das…n-nur Show ist?«, frage ich dann leise und sehe dem Jüngeren wieder ins Gesicht. »W-Was ist, wenn er sie heiraten musste, aber eigentlich doch nur auf Männer steht? U-Und er steht auf mich, das weiß ich ganz genau!« Ein wehmütiges Lächeln schleicht sich auf meine Lippen, als ich mich an die vielen Stunden mit ihm erinnere. Die Stunden, in denen er mich alles vergessen lassen hat und mein Ort der Ruhe wurde; den Club dadurch ersetzte. Seit diesem Abend bin ich nicht wieder dort gewesen, auch wenn ich das Tanzen liebe, aber… Mino liebe ich eben mehr. »Hör mal, wenn du Antworten darauf willst, musst du ihn wohl fragen«, meint Akuma und löst sich wieder von mir, damit er dieses Mal aufstehen kann. »Aber ich heiße es nicht gut, dass du ihn wieder treffen wirst. Jaemin, du darfst nicht schwach werden, klar? Er kann mit dir nicht umspringen wie mit einem Gegenstand.« Ich nicke verstehend und höre kurz darauf, wie Akuma mit den Worten, er würde mir einen Tee machen, mein Zimmer verlässt. In dem Moment lege ich mich mit dem Rücken zurück auf mein Bett und starre an die Decke. Ich will mir gar nicht ausmalen, wie wütend Mino sein muss, denn seit Stunden habe ich mein Handy aus. Es ist eine der Regeln, die er ganz am Anfang aufgestellt hat; immer und überall für ihn erreichbar sein. Aber jetzt gerade ertrage ich ihn noch nicht, sondern muss innerlich erst einmal Mut sammeln, um mich für diese Konfrontation zu widmen.Und ich weiß jetzt auch schon, wie ich das schaffen kann.

Müde lächelnd lasse ich mich treiben, bewege mich schwankend zu der lauten Musik und habe die Augen geschlossen. Es fühlt sich gut an, wieder auf dieser Tanzfläche zu stehen, sich zu bewegen und fallen zu lassen; alles andere zu vergessen. Ich weiß nicht genau, wie lange ich mich hier bereits wieder aufhalte, doch eine Weile wird es schon sein. Mein Körper hat bereits wieder fünf Drinks intus und somit tut der Schmerz in meinem Herzen gar nicht mehr so sehr weh. Zumindest nicht so sehr wie noch vor ein paar Stunden. »Was fällt dir ein, mich einfach stundenlang zu ignorieren?« Diese Stimme würde ich aus Millionen wiedererkennen, egal wie viele andere Geräusche sich um mich herum befinden. Meinen Körper ziert direkt eine Gänsehaut, als er wieder genau diesen dominierenden Unterton erklingen lässt, der nur Bestrafung vermuten lässt. Trotz allem tanze ich stumm so weiter, behalte die Augen geschlossen, bis ich eine Hand an meiner Wange spüre und nun doch in das Gesicht meines Daddys sehe. »Baby, warum sprichst du nicht mit mir?«

Mino mustert mein Gesicht, jeden einzelnen Millimeter, aber anhand des spärlichen Lichtes kann er vermutlich nicht viel erkennen. Da ich ihm noch immer nicht antworte, schnalzt er einmal frustriert mit der Zunge und ergreift meine Hand, um mich hinter sich her zu ziehen. Wir verlassen den Club, aber draußen bleibt er nicht stehen, sondern läuft weiter; direkt in das Hotel unseres ersten Abends. Erst in auch noch genau dem gleichen Zimmer werde ich klarer und Tränen steigen mir nostalgisch in die Augen. Hätte ich mich damals anders entschieden, wenn ich gewusst hätte, wie perfekt er für mich ist? Mich im Endeffekt aber nur verletzt und ich immer nur die zweite Geige spielen werde? Genau das, was ich niemals in einer Partnerschaft sein wollte? »Jaemin, was ist los?« Der dominierende Unterton ist verschwunden und hat einer gewissen Sanftheit Platz gemacht. Mir entkommt ein unterdrücktes Schluchzen und ich senke meinen Blick, als mir bewusst wird, dass er mich seit diesem Abend nicht ein einziges Mal Jaemin genannt hat. Wie soll ich das deuten? Will er mich nicht mehr als sein Baby? Dieses Mal legt er beide Hände an meine Wangen und hebt somit mein Gesicht an. Sein Ausdruck ist gefüllt von Sorge, als er meine Tränen wegwischt und mich vermutlich das erste Mal in unserer „Beziehung“ weinen sieht. »D-Du…du bist…«, beginne ich und er wartet geduldig ab, auch wenn ich mich immer wieder unterbrechen und aufschluchzen muss. »V-Verheiratet…u-und ich bin…d-deine Affäre…« Mino sagt nichts und auch an seinem Ausdruck verändert sich nichts. Ich habe erwartet, dass er mit Gleichgültigkeit antworten würde, aber das tut er nicht. Er zeigt mir genauso viel Sorge wie eben auch und vermutlich sogar noch mehr, als er jetzt versteht, was in mir vorgeht.

»Baby, hör zu«, beginnt er, doch dass er wieder diesen Kosenamen verwendet, lässt ein gewisses Maß an Wut in mir aufschäumen. Somit schlage ich seine Hände von mir und trete einen Schritt zurück. »Nichts Baby, es reicht! N-Nicht einmal jetzt kannst du mich als Jaemin sehen? Verdammt, Mino!« Ich atme schwer und mein Körper bebt. Nach Trauer kommt immer die Wut, sagt man doch und obwohl ich dieses kleine Wort aus seinem Mund sonst so sehr liebe, kann ich es gerade nicht ertragen. Ich ertrage nicht, dass er mich nicht als Person sieht, sondern weiterhin nur als Gegenstand seiner Lust. Vermutlich erwarte ich wirklich zu viel und auch, dass er es versteht, aber ich bin jetzt an einem Punkt angekommen, an dem ich nicht mehr kann. Entweder wir beenden das hier und jetzt oder er entscheidet sich für mich. »Mino, ich liebe dich.« Seine Augen weiten sich, als diese Worte über meine Lippen kommen und mein Herz kurz aussetzen lassen. Ich habe es ihm wirklich gesagt, obwohl diese Bekundung zwischen uns ein Tabu war. Wie Akuma gesagt hat, von Anfang an habe ich gewusst, dass er niemals solche Gefühle für mich entwickeln würde, aber nun ist sowieso alles egal. Wenn ich ihn nicht haben kann, dann will ich niemanden haben. Dann hole ich mir einfach dreizehn Katzen, wenn Akuma ausgezogen ist, um mit seinem Freund zusammenzuziehen und bin nicht allein. Und irgendwann sterbe ich inmitten meiner Katzen in meinem Bett, schlafe einfach ein und bereue diese Entscheidung ein letztes Mal, die ich vor einem halben Jahr getroffen habe. »D-Du…« Mino ist bisher nie sprachlos gewesen, geschweige denn dass ich ihn habe stottern hören. Er ist ein sehr gefasster Mann und weiß, was er will. Aber gerade muss ich ihn wirklich so überrumpelt haben, dass er es zum ersten Mal in seinem Leben nicht weiß. Unter anderen Umständen würde mich das gerade stolz stimmen, aber die Situation verärgert und deprimiert mich einfach zu sehr. »Ja, ich liebe dich«, wiederhole ich mich deshalb, damit er es endlich wirklich checkt.

Keiner von uns rührt sich, sodass wir uns wie zwei Kontrahenten in einem Boxring gegenüber stehen und uns versuchen mit unseren Blicken zu duellieren. Normalerweise bin ich derjenige, der den Blickkontakt zuerst bricht und sich der Dominanz Minos hingibt, aber heute… Heute senkt er seinen Blick. Mino hebt seine Hände und betrachtet diese einen Moment lang, bevor er dann auf mich zukommt. Ich trete nicht zurück, was ein Zeichen der Schwäche wäre, sondern halte dem Ganzen stand, wie auch immer ich das gerade schaffe. Wie noch vor ein paar Minuten, legt er mir wieder seine Hände an meine Wangen, was mein Herz aussetzen und dann doppelt so schnell weiterschlagen lässt, als er seine Stirn schließlich an meine lehnt. Im Gegensatz zu mir hat er seine Augen geschlossen, wobei meine vor Verwunderung geweitet sind und ich einmal trocken schlucke. Ist es jetzt soweit? Beendet er jetzt alles und ich sehe ihn nie wieder? »Du hast recht…«, sagt er schließlich leise und bleibt genau in dieser Position mit geschlossenen Augen stehen. Sein Atem trifft dabei auf meine Lippen und lässt mich erschaudern, weil sich alles in mir danach sehnt, einfach doch alles zu vergessen und ihn zu küssen. Akuma hatte recht, ich würde schwach werden und gerade bin ich wirklich dabei, mich ihm wieder einfach hinzugehen. »Es war nicht fair, dich als Affäre zu benutzen und es tut mir leid.« Jetzt öffnet er wieder seine Augen, wobei meine mit jedem seiner Worte noch größer geworden sind. Er entschuldigt sich? Lässt seine Augen Reue zeigen? Wie soll ich das deuten? »Du weißt genau, dass es nicht geplant war, Gefühle einfließen zu lassen.« Ich muss mir ein Augenverdrehen verkneifen, denn dass er jetzt doch wieder diese Karte spielt, hätte ich wissen müssen. Er schiebt mir jetzt den schwarzen Peter zu und macht mich unterschwellig dafür verantwortlich, dass es zwischen uns jetzt so ist, wie es ist. Wenn ich ihn nicht lieben würde, würden wir jetzt nicht hier stehen und dieses Gespräch führen. »Aber du bist nicht der einzige, der diesen Fehler begangen hat, Jaemin.« Fehler? Wovon spricht er? Meine Stirn ist verwirrt gerunzelt und ich lege dazu noch ein wenig den Kopf schief, während er unablässig sanft meine Wangen streichelt. Anhand meines Gesichtsausdrucks kann er wohl ablesen, was ich denke, denn ein Schmunzeln legt sich auf seine wunderschönen und – wie ich aus Erfahrung weiß – weichen Lippen, bevor er seinen Kopf wieder anhebt, aber nicht seine Hände von mir nimmt.

»Ich liebe dich auch, Jaemin und deshalb ist es nicht fair, dass ich dich so hingehalten habe.« Stille legt sich nach diesem Geständnis über uns und wieder dauert es eine Weile, bis ich diese Worte realisiere. Erst als meine Augen wieder zu brennen beginnen und mein Kopf sie versteht, kommen sie bei meinem Herzen an und ich verstehe so richtig, was er gerade gesagt hat. Mino liebt mich? Der junge Mann, welcher diese gefühllose Beziehung mit mir eingegangen ist, nur um befriedigt zu werden, erwidert meine Gefühle? Langsam und immer schneller werdend schüttele ich meinen Kopf, kann ihm nicht glauben und nehme deshalb seine Hände von mir. Diese Art der Abweisung bewirkt auch etwas in Mino, denn eine gewisse Traurigkeit legt sich in seine Augen, welche unaufhörlich aufmerksam auf meinem Gesicht liegen. »D-Du lügst…«, stammele ich schließlich und vergrabe meinen noch immer schüttelnden Kopf in meinen Händen. »W-Warum solltest du mich lieben? D-Du bist verheiratet mit einer Frau, Mino…« »Das stimmt, aber hast du mal darüber nachgedacht, was es für einen Mann meines Standes bedeuten könnte, offen homosexuell zu sein?« Langsam lasse ich meine Hände sinken und hebe meinen Blick, welcher direkt wieder auf seinem Gesicht liegt. Noch nie habe ich ihn derart verletzt gesehen, aber genau das zeigt mir sein Ausdruck gerade. Dass ich zurückgetreten und ihn abgewiesen habe, obwohl er solch wichtige Worte gesagt hat, muss ihm das Herz brechen. Wahrscheinlich bin ich viel zu nachsichtig oder meine Gefühle sind einfach schuld daran, aber ich trete wieder auf ihn zu und bin jetzt derjenige, der seine Hände an seine Wangen legt. »Nein…daran habe ich nicht gedacht…«, gebe ich zu und beiße mir schuldbewusst auf die Lippe. Allerdings legt er seinen Daumen darauf und hindert mich somit daran. »Aber warum sollte ich auch Glück haben? Warum sollte es jemanden wie dich geben, der mich liebt? Mino, ich bin ehrlich…in diesem halben Jahr habe ich gemerkt, dass du der Mann bist, den ich mir immer gewünscht habe und das denke ich nicht, weil du wohlhabend bist. Ich würde dich auch lieben, wenn du unter einer Brücke schlafen würdest, einfach weil du mir jedes Mal, wenn wir uns getroffen haben, gezeigt hast, wie besonders ich sein kann. Tief in dir drinnen bist du ein wundervoller Mensch und in den niedlichen Mino, der sich über Kleinigkeiten freut und zu strahlen beginnt, habe ich mich verliebt und nicht in den reichen CEO, den alle wollen…«

Dank meines Monologes habe ich seine Augen tatsächlich zum Glänzen gebracht und weil er vermutlich nicht genau weiß, wie er verbal darauf antworten soll, handelt er einfach. Im nächsten Augenblick liegen seine Lippen zärtlich auf meinen, geben vorsichtig Druck ab und beginnen sich langsam zu bewegen. Ich habe es bisher immer genossen, Mino zu küssen, vor allem, weil es in einer Daddy-Baby-Beziehung nicht selbstverständlich ist. Aber jeder einzelne Kuss hat mich für einen Moment vergessen lassen, dass ich nur sein Baby bin. Nicht mehr und nicht weniger. Und auch dieser Kuss lässt mich vergessen, aber er zeigt mir auch, dass Mino es ernst meint. Noch nie habe ich so viel Gefühl seinerseits gespürt, weshalb mein Herz beinahe aus meiner Brust springt, als ich seine Bewegungen imitiere und kurz darauf noch unsere Zungen ins Spiel kommen. Wie ferngesteuert wandern meine Hände an sein Hemd, öffnen Stück für Stück jeden einzelnen Knopf, sodass ich es von seinen Schultern schieben kann. Mir entkommt ein leises Seufzen, als ich seine weiche Haut berühren kann, während er seine Finger an den Saum meines Shirts legt. Dieses gesellt sich zu seinem Hemd am Boden und erst da lösen wir lautstark den Kuss und sehen uns tief in die Augen. »Jaemin…willst du mit mir schlafen?«, fragt mich der junge Mann mir gegenüber dann leise, welcher noch immer meine Lippen mit seinen eigenen streift und schließlich einen kleinen Kuss darauf abgibt. Meine Augen werden wieder groß, denn gefragt hat er es mich noch nie. Es war nie so, dass er mich je gezwungen hatte; ich wollte es immer. Aber miteinander schlafen und gefickt werden bergen Unterschiede. Mit dieser Frage zeigt er mir, dass er es ernst meint, sodass ich gar nichts anders kann, als wie in Trance zu nicken. Im nächsten Moment ergreift Mino meine Hand und zieht mich sanft zu dem großen Bett im Raum.

Es ist nicht das erste Mal, dass wir in diesem Bett Sex miteinander haben, denn auch an unserem ersten Abend haben wir es darin getrieben. Aber ich weiß genau, dass es dieses Mal anders sein wird. Langsam öffnet er mir den Gürtel meiner Hose, ohne seinen Blick aus meinen Augen zu nehmen und verwickelt mich wieder in einen liebevollen Kuss. Mit einer fließenden Bewegung lässt er sie bereits samt Boxershorts zu Boden gleiten und drückt mich dann sanft auf das Bett. Somit muss ich nun mein Gesicht leicht heben, damit ich ihn weiterhin ansehen kann und seine Lippen ziert ein Lächeln, als er mit seinem Daumen meine Kieferpartie entlang streicht. »Leg dich hin, Jaemin. Ich werde dich lieben, so wie du es verdienst.« Mein Herz setzt wieder kurz aus und schüchtern nickend komme ich seiner Aufforderung nach. Ich spüre den glatten Satin der Bettwäsche unter meiner Haut, als ich auf dieser höher rutsche und mich schließlich rücklings und mit einem angewinkelten Bein auf der Matratze ablege. Mino hat das aufmerksam beobachtet, während er sich selbst ebenfalls den Rest seiner Kleidung entledigt hat und sich somit nackt über mich beugt. Eines seiner Knie platziert er zwischen meinen Beinen, streicht mit seiner Hand beiläufig über meinen Nippel und verwickelt mich in einen weiteren, zärtlichen Kuss. Dadurch dämpft er das leise Stöhnen, das meiner Kehle bei der Berührung seines Fingers an meinem Nippel entkommt und beuge mich ihm somit ein wenig mehr entgegen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich bereits alles wieder vergessen, was heute passiert ist. Für mich existieren gerade nur Mino, die Berührungen seiner zärtlichen Finger und die Küsse seiner weichen Lippen. Wie sonst in dem Club lasse ich mich fallen, genieße seine Umsicht, als er beginnt mich vorzubereiten und Stück für Stück und in einem langsamen Tempo seine Finger in mich schiebt. Bisher hat er mich jedes Mal vorbereitet und nie einfach nur in mich gerammt, aber jetzt merke ich ebenfalls eine Veränderung. Mino will mich wirklich lieben und nicht nur so tun. Also könnten wir eine Zukunft miteinander haben? Unverändert sucht seine Zunge nach meiner in meinem Mund, auch als er sich zwischen mich platziert und langsam beginnt, seine Länge in mich zu drücken. Mir entkommt dieses Mal ein wimmerndes Stöhnen, aber ich verspüre keinerlei Schmerzen. In meinem Kopf existieren gerade nur die Lust und das Verlangen nach mehr. Ich will alles mit ihm und dass auch nicht nur in diesen paar Minuten, sondern für immer.

»M-Mino «, beginne ich deshalb gequält, weil er mich nun ganz mit seiner beachtlichen Härte ausfüllt. Scheinbar weiß er auch dieses Mal, woran ich denke, denn er legt mir sanft einen Zeigefinger auf die Lippen und schüttelt den Kopf. »Ich werde nie mehr mit jemandem so tanzen, wie mit dir. Du wirst der Einzige bleiben, Jaemin.« Mir steigen wieder Tränen in die Augen, als er die Metapher für unseren Sex verwendet. Es war immer eine Art Alibi, denn immer, wenn er mich getroffen hat, beschrieb er es so. Wenn er mich wollte, sagte er, er wolle tanzen gehen. Nie habe ich verstanden, warum er es nicht beim Namen nennt, aber da ich nun weiß, dass er Ausreden für unsere Treffen brauchte, macht alles Sinn. Aber irgendwie bin ich ihm nicht mehr böse, denn er hat mich schon längst wieder um den Finger gewickelt. »Verlass mich nie«, hauchte er jetzt und bevor ich darauf antworten kann, verbindet er meine Lippen mit seinen wieder zu einem Kuss. In dem Moment beginnt er sich langsam zu bewegen, zärtlich in mich zu stoßen und wie immer in den Himmel zu schicken. Ich liebe diese gekonnten Bewegungen seines Beckens, diese zarten Berührungen seiner Hände, welche unablässig über meinen Körper gleiten. Mino beschert mir mit jeder Sekunde eine stärkere Gänsehaut und entfacht innerlich ein Feuer, das mich von innen verglühen lässt. Doch trotz allem möchte ich immer mehr, lasse mein Stöhnen immer lauter werden und als ich dann meinen Orgasmus spüre, stöhne ich seinen Namen ein letztes Mal laut in seinen Mund, bevor ich zwischen uns beiden abspritze. Mino folgt mir kurz darauf, sein Stöhnen beinhaltet ebenfalls meinen Namen und kurz darauf legt er seinen Kopf erschöpft in meiner Halsbeuge ab.

Es vergeht vermutlich eine Ewigkeit, in der wir einfach nur aufeinander liegen und der hektischen Atmung des Anderen lauschen. Meine Finger gleiten langsam immer wieder durch seine weichen Haare oder kraulen seine Kopfhaut, bis dann er derjenige ist, der sich räuspert und seine Stimme erklingen lässt. »Ich weiß, ich habe einen Fehler gemacht. Ich hätte dich nicht so benutzen oder verleugnen dürfen, wenn du doch so viel besseres verdient hast.« Vorsichtig hebt er seinen Kopf, damit er mich wieder ansehen kann und legt eine seiner Hände an meine Wange, um diese liebevoll zu streicheln. »Mir ist auch bewusst, dass es wirklich dreist von mir ist, dich das zu fragen, aber…möchtest du an meiner Seite sein, Jaemin? Offen und ehrlich, damit jeder weiß, was für einen wundervollen Mann ich kenne?« Wieder werden meine Augen groß und ich schlucke einmal trocken, bevor ich mich ebenfalls räuspere. »U-Und…deine Frau?« »Jaemin, das war eh nur Show. Ich werde mich scheiden lassen und von nun an auf die Norm der Gesellschaft scheißen! Ich liebe dich und will nur dich, niemand anderes soll dazwischen stehen.« Aufgeregt beiße ich mir auf die Lippe und fühle mich gerade, als hätte er mir einen Heiratsantrag gemacht, was natürlich nicht der Fall ist. Mit seinem Entschluss hat er mich sprachlos gemacht, sodass ich gar nicht anders kann, als nickend seinem Vorschlag zuzustimmen, weshalb ich mit einem liebevollen Kuss belohnt werde. Und dieser Kuss, welcher unser Versprechen besiegelt, ist erst der Anfang von unzähligen, glücklichen Jahren an der Seite des Mannes, auf den ich mein Leben lang gewartet habe. Und dem ich für immer meine bedingungslose Liebe schenken kann.


Diese Geschichte ist Teil unserer Advents-Anthologie ‚A pocket full of Love‘, welche am 27.12.2019 erscheint. Sie kann hier bereits vorbestellt werden:
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